1774: Watt kämpft mit dem Problem der Kolbendichtung

In einem Notizbuch »Experimente mit der ersten Maschine in Soho« hat James Watt u.a. über die Probleme berichtet, den Kolben abzudichten. So wurde u.a. ein Kolben mit geöltem Wollstoff gedichtet. Dieser war jedoch schnell abgenutzt. Dann wurde statt der Wolle Holz benutzt. Der Kolben wurde dabei mit Pferdemist bedeckt. Wenige Tage später wurde das Holz durch aufgelöstes Papier vermischt mit Mehlkleister (also Pappmache) ersetzt. Das hielt etwas besser, doch bei einer weiteren Demontage zeigte sich, daß der aus Zinn bestehende Zylinder durch den Dampfdruck verformt wurde. Nun wurde ein Zylinder aus Gusseisen bei John Wilkinson bestellt. Als dieser im Mai 1775 geliefert wurde, fanden neue Experimente statt. Wieder wurde Pappmache benutzt sowie zusätzlich Kuhmist. Bei einer weiteren Demontage war das Ventil durch den Kuhmist beschädigt 1.

Es müssen sehr belastende Monate gewesen sein. Watt hielt sich zeitweilig in London auf [vergl. 1775: Die Laufzeit des Watt’schen Patents 913 wird bis zum Jahr 1800 verlängert]. Sein neuer Partner Matthew Boulton [vergl. 1775: Matthew Boulton und James Watt werden offiziell Partner] schrieb ihm 2:

The engine goes marvelously bad. It made eight strokes per minute ; but upon Joseph’s endeavouring to mend it, it stood still. Nor do I at present see sufficient cause for its dullness. I have a few minutes ago had the top taken out, and find that I can pump down the piston, & although I can hear ye air pass by it into the cylinder, yet the error is not sufficient to account for its bad going. The piston is now taken out, & although ye cylinder is not perfect, yet there doth not appear any gross error. The outside of the piston is hat, filled up with paper chewed. It is 9 inches thick at least, wch. I fear makes much friction. I have ordered a bottle of oyl to be put into ye papier mache, wch. will drain through the hat & lubricate ye sides. It is certain, by another experiment I made, that much steam escapes, as ye water, which passed through ye condenser, continued to be hot. I wish we could learn ye plan of Gainsborrow’s piston, as by his own acct. »tis absolutely perfect for water«.

Die Maschine funktioniert fantastisch schlecht. Sie machte 8 Hübe pro Minute, aber nach dem Versuch von Joseph sie zu reparieren stand sie still. Zur Zeit sehe ich keinen Grund für ihre Langsamkeit. Vor ein paar Minuten habe ich den [Zylinder]Deckel abnehmen lassen. Der Kolben läßt sich herunterdrücken und obwohl ich hören kann, wie die Luft entweicht, halte ich diesen Fehler nicht für die Ursache des schlechten Ganges der Maschine. Der Kolben hat aussen »hat«, gefüllt mit Pappmache. Er ist mindestens 9 inch dick [23 cm] was zu starker Reibung führt wie ich befürchte. Ich habe um eine Flasche Öl geschickt um es auf das Pappmache aufzutragen. Es wird durchziehen und die Seiten schmieren. Es entweicht viel Dampf und das Wasser, welches aus dem Kondensator austritt, ist heiß. Ich wünschte, wir wüßten etwas über den Kolben von Gainsborrow, der nach dessen Aussage »absolut perfekt für Wasser ist«.

Stand: 24.8.2018


  1. Dickinson, 1927, S.108 f.

  2. Ich bitte um Nachsicht - es war mir nicht immer möglich, eine Übersetzung zu finden.