1780: James Pickard erhält ein Patent auf eine Kurbel

James Pickard war ein Knopfmacher aus Birmingham. Ihm gehörte eine Getreidemühle, wo 1780 Matthew Wasborough eine atmosphärische Maschine installierte. Diese hatte die Besonderheit, mit Hilfe einer Art von Zahnstangenmechanismus (Watt nennt ihn rick rack) aus der linearen Bewegung eine rotierende Bewegung zu erzeugen. Um den Totpunkt zu überwinden, gab es ein Schwungrad 1. Lt. Dickinson und Jenkins geschah dies 1779, im gleichen Jahr, in dem Wasborough ein Patent auf seinen Mechanismus erhielt.

Die Differenz in den Jahreszahlen ist durchaus typisch für das Thema “Kurbel” - vieles bleibt wohl für immer unklar. Ich folge im wesentlichen Dickinson und Jenkins. Diese schildern, dass das “rick rack” nur schlecht funktionierte und mehrfach repariert bzw. geändert werden mußte.

Wieder einmal ist es ein Brief von Watt an Boulton, der eine wichtige Neuerung festhält: Im November 1780 schreibt Watt 2:

Matthew Wasborough has got a (single) crank to Snow Hill engine and it does very well, better than the rick rack … I think you should call on Matthew as you return and let him know that we will dispute his having an exclusive right to these cranks.

Frei übersetzt:

Matthew Wasborough hat die Snow Hill Maschine nun mit einer (einfachen) Kurbel versehen. Das funktioniert gut, besser als das rick rack … Mir scheint Sie sollten bei Ihrer Rückkehr mit Matthew sprechen und ihm mitteilen, dass ihm eine exklusive Nutzung dieser Kurbeln streitig machen werden.

Ganz offenkundig wußte Watt nicht, dass James Pickard, der Eigentümer der Snow Hill Maschine, im August schon ein Patent beantragt hatte, welches im Dezember auch eingetragen wurde (Nummer 1263).

Das Patent Pickard’s zeigt eigentlich nur zwei ineinander kämmende Zahnräder, von denen das größere wohl mit dem Balancier gekoppelt war. Am kleineren befindet sich ein zusätzliches Gewicht, welches helfen sollte, den Totpunkt zu überwinden.

Das allein hätte wohl kaum funktioniert, aber die Kurbel und das Schwungrad lösten das Problem, dementsprechend taten sich Wasborough und Pickard wohl zusammen.

Boulton & Watt achteten das Patent. Watt suchte nach einer anderen Möglichkeit, aus dem Auf und Nieder des Balanciers eine Drehbewegung abzuleiten und fand das Planetengetriebe (im Englischen Sun + Planet Gear).

Obwohl Pickard’s Patent 1794 auslief, baute Boulton & Watt das Planetengetriebe bis 1802 3.

Stand: 25.7.2016