1806: Eli Whitney - Anfänge der Austauschfertigung und der Fräsmaschine

Bei der Fertigung von Handfeuerwaffen kam früh der Wunsch auf, Teile austauschbar herzustellen. Thomas Jefferson, der spätere amerikanische Präsident und hauptsächliche Verfasser der Unabhängigkeitserklärung, war ab 1785 für einige Jahre Botschafter in Paris. In einem Brief berichtete er von dem französischen Büchsenmacher Honoré Blanc 1:

Hierzulande ist in der Fabrikation von Musketen eine Verbesserung vorgenommen worden, die den Kongreß interessieren wird, und die derselbe vielleicht gern zu erwerben wünscht; sie besteht darin, daß die einzelnen Gewehrteile so genau hergestellt werden, daß man jedes Teil des einen Gewehrs in ein anderes Gewehr des gleichen Vorrats einsetzen kann. Die hiesige Regierung hat das Verfahren geprüft und für gut befunden. Sie richtet eine darauf gebaute große Fabrikation ein. Bisher hat der Erfinder nur das Musketenschloß nach seiner Methode hergestellt, er will aber schleunigst auch den Schaft und andere Teile in gleicher Weise bearbeiten.

Es gab also bereits Ansätze zum Austauschbau, als der Amerikaner Eli Whitney (1765–1825) 1798 einen Vertrag mit der amerikanischen Regierung über die Lieferung von 10.000 Musketen abschloß. 1806 war die Lieferung abgeschlossen. Whitney sollte ebenfalls sicherstellen, daß die Teile der Lieferung austauschbar waren 2.

Whitney wurde die Erfindung der »cotton gin« (das war eine Maschine, mit der man die Baumwolle von den Samen trennen konnte - erst im Handbetrieb durch kurbeln, später auch maschinell angetrieben) zugeschrieben. Die »cotton gin« hatte eine sehr große Bedeutung und vielleicht spielte das eine Rolle, als es um die Vergabe des Regierungsauftrags ging.

Bei Roe finden sich mehrere Anekdoten, die die Austauschbarkeit belegen. Dennoch gibt es heute Zweifel an diesen Aussagen 3:

But tests on a collection of Whitney muskets indicate that all their parts were not interchangeable

Tests mit einer Sammlung von Whitney’s Musketen ergaben, dass nicht alle Teile austauschbar waren.

Schon 1799 vergab die amerikanische Regierung einen weiteren Auftrag über 1.500 Musketen an Simeon North. Auch diesem wird in Teilen der Literatur die Entwicklung der Austauschbaus in Amerika zugeschrieben. Dies gilt auch für die Anfänge der Fräsmaschine, hier werden sowohl Whitney als auch North genannt. Wirklich gesicherten Erkenntnisse scheint es nicht zu geben. Ein Überblick der jüngeren Forschungen findet sich hier 4.

Frühe Fräsmaschine - keine Bewegung in z{#fig:1806-1 width=12cm}

Stand 20.9.2018


  1. Roe, 1914, S. 164

  2. Roe, a.a.O., S. 168 ff.

  3. Webseite des »Eli Whitney Museum and Workshop« The Factory Abgerufen 19.9.2018

  4. Wikipedia: Milling (machining) 13.7.2016 Abgerufen 30.7.2016