1846: Sloan und Harvey bekommen ein Patent auf verbesserte Maschinen zur Herstellung von Holzschrauben

Die New Yorker Thomas J. Sloan und Thomas W. Harvey bekamen 1846 ein Patent auf verbesserte Maschinen zur Herstellung von Holzschrauben (mit der heute üblichen Spitze) 1. Es hatte schon div. Bemühungen gegeben, die äusserst mühselige und damit auch teure manuelle Anfertigung von Holzschrauben zu mechanisieren, aber das scheinen allenfalls Teilerfolge gewesen zu sein.

Sloan stellte seine Maschine 1851 auf der Weltausstellung in London vor. Es gab dann Patentnehmer in England und Frankreich.

In Deutschland scheint diese Entwicklung geraume Zeit nicht beachtet worden zu sein 2. Zwar hatte die Firma Altenloh, Brinck & Co. in Milspe (heute Ennepetal) seit 1825 als erste in Deutschland Holzschrauben fabrikmäßig hergestellt 3, ein Vollautomat wurde hier aber erst 1866 eingeführt 4. ABC ist noch heute am Markt. 1967 führte die Firma die Spanplatten-Schraube mit Kreuzschlitz ein. Das Akronym dafür dürfte wohlbekannt sein: SPAX.

Etwas anders verlief die Entwicklung in der Schraubenfabrik Funcke & Hueck, gegründet 1844 in Hagen. Der Firmengründer hatte seinen Sohn im Gründungsjahr nach Birmingham geschickt und von Anfang an eine zentrale Betriebsdampfmaschine eingesetzt 5. Die Produktionsmaschinen kamen aus England, ebenso Fachkräfte. Dennoch erwarb “Schruwen-Willem” (d.i. Wilhelm Funcke) Sloans Patent erst 1861, also 10 Jahre nach der Weltausstellung 3.

1846: Fräulein Crepin bekommt ein Patent auf eine Bandsäge

Technikgeschichte ist von männlichen Akteuren dominiert - aber keine Regel ohne Ausnahme. 1847 heisst es in einem Bulletin des französischen Ministeriums für Landwirtschaft und Handel 6:

  1. Le brevet d’invention de quinze ans, dont la demande - a été déposée, le 29 aout, 1846, au secrétariat de la préfecture du département de la Seine, par la demoiselle Crépin (Anne-Pauline), pour une mécanique pour le debitage des bois.
  1. Am 29. August 1846 meldete Fräulein Crepin (Anne-Pauline) im Sekretariat der Präfektur im Departement Seine ein 15-jähriges Patent für eine Mechanik um Holz zu zerschneiden an.

Die Quellenlage zu Fräulein Crepin und ihrem Patent ist dürftig. Kaempffert 7 spricht von Crepin als »a young woman of Paris a member of a family of high social standing«, also etwa »eine junge Frau aus den besseren Pariser Kreisen«, an anderer Stelle wird sie als »découpeuse« bezeichnet 8. Lt. Johnson 9 war der Patentgegenstand das Schweißen der Nahtstelle. Bei diesen Autoren bleibt aber unklar, welche Quellen ihnen zur Verfügung standen. Das Patent von 1846 war auch keineswegs das erste zum Thema Bandsäge. Die Idee zur Bandsäge oder wie man sie früher gern nannte »endlose Säge« war älter. Theobald nannte 1924 als erste Versuche die von Albert 1799 in Paris und von William Newberry 1808 in London 10.

Crepin’s Patent wurde wohl schon im Jahr drauf von Jean Louis Perin gekauft, der in seiner Pariser Firma Holzbearbeitungsmaschinen herstellte 11. Somit wurde das Patent von Fräulein Crepin zum Startschuß der Entwicklung der Bandsäge, zunächst für Holz, dann auch für Metall.

Perin gelang es nämlich, Bandsägeblätter herzustellen, die deutlich haltbarer und leistungsfähiger waren als die bis dahin bekannten. Vermutlich dauerte diese Entwicklung einige Zeit, da sich erste Belege für Perin’s Erfolge erst 1855 finden. Im Polytechnischen Journal wird eine französische Meldung vom Februar 1855 wiedergegeben. Es heisst dort 12:

Das Haupthinderniß, welches der allgemeineren Anwendung bandförmiger Sägen bisher im Wege stand, war das häufige Zerreißen der Säge. Hrn. Perin (rue Bas froi No. 17 zu Paris) ist es nun gelungen, diesen Uebelstand durch eine Combination von Anordnungen zu beseitigen, in deren Folge der Bruch des Sägeblattes erst nach einer sehr bedeutenden Quantität gelieferter Arbeit stattfindet, und die Reparatur sehr leicht und wohlfeil herzustellen ist.

Mit der »Kombination von Anordnungen« könnten die Auswahl des Stahls, die genaue Art der Härtung und des Anlassens sowie die Geometrie des Blattes und des Zahnes gemeint sein, nicht zu vergessen Schärfen und Schränken.

In der zitierten Meldung wird die Blattgeschwindigkeit mit 1.500 m/min angegeben - ein Wert, der auch heute nicht immer erreicht wird. Andere Quellen besagen, dass Perin bei der ersten Weltausstellung in Paris ab Mai 1855 seine Bandsäge mit großem Erfolg vorführte.

Dennoch blieb der Gebrauch der Bandsäge nicht ohne Probleme, schließlich mußte ja auch bei einem tadellosem Blatt die adäquate Bandspannung eingestellt werden und auch beim Sägen selbst konnte das Blatt überbeansprucht werden - erst recht, wenn es nicht rechtzeitig geschärft wurde.

Bandsäge 1870 gebaut von Samuel Worssam für Krupp{#fig:1846-1 width=14cm}

Dennoch fand die Bandsäge auch ihren Weg in die metallverarbeitende Industrie. Das wurde den Besuchern der Pariser Weltausstellung 1867 vom Arsenal Woolwich gezeigt. Es waren Sägeschnitte in Platten aus Schmiedeeisen von mehreren Zoll Stärke zu sehen 13. 1870 erhielt Krupp eine große Bandsäge für die Bearbeitung von Lafetten, siehe Bild @fig:1846-1. Bei Dingler werden für diese Säge Schnittgeschwindigkeiten von 200-250 Fuß/min angegeben, das wären bis zu 60-75 m/min - bei Kühlung mit Seifenwasser 14 ! Die Standzeit eines Blattes bei Plattenstärken bis knapp 19 mm wird mit 4-5 Stunden angegeben. Die Verbindung war gelötet.

Stand: 16.10.2018


  1. Christopher White: Observations on the Development of Wood Screws in North America. Museum of Fine Arts Boston Abgerufen 5.9.2016. Hier finden sich sehr gute Aufnahmen von Holzschrauben !

  2. Bei Dingler findet man als frühesten Treffer zu Sloan im Jahre 1876: “Verbesserte Holzschrauben von Thomas J. Sloan in New-York.”

  3. Ralf Stremmel, S. 583, in Stremmel u. Weise 2004 2

  4. Wikipedia: Altenloh, Brinck & Co 28.8.2016 Abgerufen 5.9.2016

  5. Diese war bei Kamp & Co. in Wetter a.d. Ruhr bestellt worden, ein Betrieb, der aus der von Friedrich Harkort gegründeten “Mechanischen Werkstätte” hervorgegangen war. Kamp ging später in der DEMAG auf Cornelius, S. 95. In: Museum Würth Schrauben und Gewinde 1992

  6. Bulletin du Ministère de l’Agriculture et du Commerce: partie officielle, Band 8. Paris. 1847 Google Books

  7. Kaempffert, 1924, S. 194

  8. Bedeutet heute Schneidemaschine oder Schneidevorrichtung. The Bandsaw Blade Abgerufen 16.10.2018

  9. Johnson, 2012, S. 6

  10. Theobald, 1921, S.13

  11. Theobald, a.a.O. S. 13

  12. Perin’s Sägemaschine. Dingler 1855, Band 137, Nr. LXVIII. (S. 250–252)

  13. Anwendung der Bandsäge zum Durchschneiden dicker Schmiedeeisen-Platten. Dingler 1867 Band 185/Miszelle 3 (S. 322)

  14. Bei meiner Recherche zeigte sich, dass der Dingler-Beitrag in weiten Teilen auf »The Engineer« vom 25.3.1870 S. 172 beruht - ohne diese Quelle anzugeben: Bandsäge für Metall, von Samuel Worssam u. Comp. zu Chelsea. Dingler 1870 Band 198/Miszelle 3 (S. 90–91)