1887: Rudolph Bredt stellt den weltweit ersten elektrisch angetriebenen Laufkran vor

Rudolph Bredt studierte am Karlsruher und am Züricher Polytechnikum, bevor er erst in Deutschland und dann in England praktisch tätig war. Lt. Matschoss lernte er dort hydraulisch betriebene Krananlagen kennen, die auf Henry Bessemer zurückgingen. 1867 trat er in die kleine Maschinenbaufirma Ludwig Stuckenholz in Wetter a. d. Ruhr ein. Stuckenholz war als Kupferschmied 1827 zu Friedrich Harkort gekommen 1.

Bredt machte diesen Betrieb zu einem Spezialisten für Hebezeuge. Ein erster weithin sichtbarer Erfolg war ein Laufkran, der bei der Wiener Weltausstellung 1873 über den Exponaten des Deutschen Reiches schwebte. 1887 stellt Bredt den weltweit ersten elektrisch angetriebenen Laufkran vor. Im gleichen Jahr liefert die Firma Stuckenholz für den Hamburger Hafen einen Drehscheibenkran mit 150 t Tragkraft aus, zu diesem Zeitpunkt der größte Kran der Welt.

Die Konstruktionen aus Wetter an der Ruhr fanden weithin Beachtung, was sich auch in etlichen Plagiaten äußerte. So publizierte Bredt nach der Weltausstellung 1893 in Chicago einen Katalog “Krahn-Typen der Firma Ludwig Stuckenholz”, um deutlich zu machen, wo die Originale herkamen 2.

Die Firma Ludwig Stuckenholz ging 1910 in der DEMAG (Deutsche Maschinenbau-Aktiengesellschaft) auf. Trotz einer recht bewegten Unternehmensgeschichte werden auch heute noch in Wetter Kräne produziert 3.

1887: Adolph Müller beginnt mit dem Vertrieb Tudor’scher Bleiakkumulatoren

Der Kaufmann Adolph Müller hatte 1885 den Luxemburger Erfinder und Ingenieur Henri Tudor getroffen. Dieser hatte einen Bleiakkumulator erfunden. Müller war von dem Tudor’schen Akkumulator begeistert. Ab 1887 war er Generalvertreter Tudor’s in Deutschland, lieferte und montierte sie zunächst persönlich 4.

Am 1. Januar 1888 wurde mit Kapital verschiedener Hagener Bankiers und Unternehmer eine “Accumulatoren-Fabrik”, aus der letztlich die heutige VARTA AG (das ist ein Akronym für Vertrieb, Aufladung, Reparatur transportabler Akkumulatoren) hervorgegangen ist. Tudor war Lizenzgeber und Berater, Müller Geschäftsführer. Ihm gelang es insbesondere, Absprachen mit Siemens & Halske sowie der AEG zu treffen, in denen diese zustimmten, 10 Jahre lang ausschließlich Tudor-Akkumulatoren einzusetzen (und ihre eigenen Entwicklungen einzustellen).

Bleiakkumulatoren gab es von diversen Anbietern, sie galten allerdings als unzuverlässig. Müller bot seinen Tudor-Kunden an, regelmäßige Revisionen vorzunehmen. Wenn ein Wartungsvertrag abgeschlossen wurde, gewährte er mehrjährige Garantien. Dazu wurde ein Netz von Vertriebsbüros und Servicestellen aufgebaut.

Schon 1889 wurde ein Betriebsarzt angestellt, der die Arbeiter, die mit Blei in Kontakt kamen, wöchentlich zu untersuchen hatte. Diese wurden verpflichtet, einmal in der Woche innerhalb ihrer Arbeitszeit zu baden. Vor den Mahlzeiten und nach der Arbeit hatten sie sich gründlich zu waschen.

Bleivergiftung ist heute als Berufskrankheit anerkannt. Auch Henri Tudor starb daran.

Stand 28.8.2016