1894: Ein Diesel-Versuchsmotor läuft zum allerersten Mal kurzzeitig selbstständig

Der 17. Februar 1894 war für den Erfinder Rudolf Diesel mit Sicherheit ein ganz besonderer Tag: Kurzzeitig lief ein bei der Maschinenfabrik Augsburg hergestellter Versuchsmotor zum allerersten Mal. Viele enttäuschende Versuche hatte es bis dahin schon gegeben, vieles war probiert worden, etliche Änderungen an einzelnen Baugruppen waren vorgenommen worden.

Aber auch nach dem lang ersehnten Anfangserfolg war man noch weit von einem betriebssicheren und leistungsstarken Aggregat entfernt. Entscheidende Verbesserungen gelangen 1895. Zahlen sind z.B. von einem Probelauf am 20. November 1895 bekannt:

  • effektive Leistung: 11,89 PS bei einer Drehzahl von 167 U/min
  • Gesamtwirkungsgrad: 16,85 %
  • effektiver spezifischer Kraftstoffverbrauch: 350 g/PSh

Diese Werte waren deutlich besser als die Kennzahlen damaliger Dampfmaschinen (ich folge in meiner Darstellung Horst Köhler, der eine sehr lesenswerte Biographie über Rudolf Diesel geschrieben hat 1).

Diesels Ideen waren seit Ende Februar 1892 mit dem Reichspatent DRP 67207 geschützt. Ganz wesentlich war hier der Carnot’sche Kreisprozess. Diesel war der Ansicht, dass dieser in seinem Verbrennungsmotor umgesetzt werden könne, wenn es gelänge, einen Zylinderdruck von 250 bar und eine Temperatur von 800 °C zu erreiche. Diese Temperatur sollte während der Verbrennung und der Expansion konstant bleiben.

Allen Praktikern war jedoch klar, dass solche Werte unerreichbar waren. Diesel, der keinerlei Erfahrung mit Verbrennungsmotoren hatte, rückte in diesem Punkt denn auch bald von seinen Forderungen ab.

Allerdings scheint zunächst keiner der Fachleute erkannt zu haben, dass der patentierte Prozess in einer realen Maschine nicht umsetzbar war und damit das Patent im Kern eigentlich hinfällig war.

Nur so ist es auch erklärlich, dass Diesel Verträge mit der Maschinenfabrik Augsburg und mit Krupp in Essen abschließen konnte und die Arbeiten an einem ersten Versuchsmotor Anfang 1893 begannen.

Mitte März 1893 teilt Otto Köhler, ein Dozent der Maschinenbauschule Köln, Diesel mit, dass er dessen Ideen für nicht durchführbar hielt. Köhler hatte in einer Veröffentlichung 1887 gezeigt, dass der Carnot-Kreisprozess in einem Verbrennungsmotor nicht umsetzbar ist. Köhler hielt im April 1893 einen öffentlichen Vortrag beim VDI und setzte sich mit Diesel’s Ideen auseinander. Im September des gleichen Jahres wurde der Vortrag in der Zeitschrift des VDI veröffentlicht.

Diesel muß gemerkt haben, dass diese Kritik berechtigt war. Allerdings hat er dies nie zugegeben. Nachdem auch die praktischen Versuche mit einem ersten Motor vollkommen ergebnislos blieben, kam es zu einem Umdenken bei Diesel. Horst Köhler zitiert Diesel 2:

  1. Die Verbrennung bei constanter Temperatur ist ganz ausgeschlossen.
  2. Die Verbrennung bei constantem Druck ist die einzig zu wählende.

Ein neuer Versuchsmotor enstand, der dann wie eingangs geschildert einen Anfangserfolg darstellte und zur Basis für weitere Verbesserungen wurde.

Auch heute noch ist der Dieselmotor der Verbrennungsmotor mit dem besten thermischen Wirkungsgrad.

Stand 24.7.2016