Ein abgebrochenes Projekt und die Corona Pandemie standen am Anfang dieses Modells. In den ersten Monaten des Jahres 2020 wurde mir klar, daß ein ohne Vorlagen entstandenes Echtdampf-Projekt gefloppt war. Als dann am Beginn der Pandemie die eigene Werkstatt ein wirklich sicherer Ort war, entschloß ich mich, das Modell einer Dampframme nach einem Plan zu bauen.

Die Suche nach dem Thema Dampframmen in der deutschen bzw. englischen Literatur war nur mäßig erfolgreich. In den Niederlanden hatte die Gründung von Bauwerken durch eingeschlagene Pfähle schon eine lange Tradition, da ist es wenig verwunderlich, daß auch Dampframmen (im Holländischen Stoomheimachines) eine große Bedeutung hatten. Ein niederländischer Modellbauer berichtete mir, daß er als Kind noch Dampframmen in Betrieb erlebt hatte - das müsste in den 1950er Jahren gewesen sein. Ein virtuelles Museum, das Niederländische Maschinenmuseum, hat hier eine Reihe sehr guter Bilder und Zeichnungen. Auch der Plan, nach dem ich mein Modell gebaut habe, stammt aus den Niederlanden (Stoomgroep Plan 84.001, mit einer kleinen deutschen Ergänzung siehe auch VTH Verlag Bauplan Dampframme). Das Vorbild für das im Plan gezeichnete Modell dürfte dieses sein. Es gibt sogar ein Foto.

Das Titelblatt der Zeichnung zeigt sehr gut die einzelnen Baugruppen. Die Maschine ist eine stehende Zweizylindermaschine ohne Umsteuerung, die zusammen mit Kessel und Winde auf einem mit Rädern versehenen Gestell montiert ist. Der Rammbär wird über eine Umlenkrolle, welche in einem Dreibein aufgehangen ist, gehoben und mit zwei weiteren “Pfählen” geführt.

Zur Zeit arbeite ich am Kessel, alle anderen Baugruppen sind fertig gestellt. Mit Druckluft wurde auch schon gerammt. Das Modell braucht Platz, die Grundplatte misst 500x750, in der Höhe sind es ca. 1400 mm und wenn man rammen will sollte man nach unten auch noch mal 850 mm haben. Der einzurammende Pfahl ist bei mir aus Holz. Einen Widerstand simuliere ich über eine Klemmung.

Für den Betrieb das Modells ist die Winde mit ihrer Kupplung ein zentrales Element. Gemäß der Angabe im Plan habe ich die eine Seite der Kupplung aus Holz gefertigt. Ich bin gespannt, wie sich die Kupplung verhält, wenn eine gewisse Abnutzung eintritt. Abweichend vom Bauplan habe ich die Endpositionen des Kupplungshebel durch verstellbare Anschläge fixiert. Wenn alles richtig eingestellt ist, kann ich rammen, ohne den Blick vom Bär zu lösen. Da macht es Freude, mit dem Modell zu spielen.

Im Echtbetrieb dürfte das Gefühl eher nicht aufgekommen sein. Vermutlich war es meist kalt, windig und regnerisch, die Baustellen dürften oft weit außerhalb von Siedlungen gelegen haben und die Arbeit war körperlich anstrengend, monoton aber gefährlich. Es mußten große Gewichte bewegt werden, sperrige Drahtseile, Flaschenzüge, Umlenkrollen. An einem der drei Beine des eigentlichen Rammgerüstes waren Tritte befestigt, die beim Auf- oder Abbau genutzt wurden sowie beim Klarieren, wenn das Zugseil des Bärs sich verklemmt hatte. Es würde mich nicht überraschen, wenn Maschinist und Heizer auch eine Flasche Schnaps an der Ramme hatten. Fehlbedienungen waren schon beim normalen Betrieb möglich, erst recht beim regelmäßigen Umsetzen des Rammgerüstes.

Stand 27.04.2022