Ein Katalog aus dem Jahre 1877 stand am Anfang dieses Modells. Die Brüder Appleby aus London nutzten Kataloge, um ihre Produkte vorzustellen. Über die Firma ist heute nicht mehr allzuviel in Erfahrung zu bringen. Beste Quelle ist wieder einmal der Grace’s Guide. Dort heißt es, daß Appleby Dampfkrane, Bagger, Maschinen zur Ziegelherstellung, Rammen, Pumpen sowie fahrbare und stationären Maschinen herstellte. Es wird auch eine Feuerspritze sowie eine Lokomotive erwähnt. 1858 gegründet hatte Appleby 1871 30 Mitarbeiter.

Da stellt sich natürlich sofort die Frage, wie eine so kleine Firma eine solches Spektrum an Produkten anbieten konnte. Ich vermute, daß damals “relabeled” wurde, daß also zumindest einige Produkte von anderen Firmen gefertigt wurden und dann mit einer Plakette “Appleby Brothers” versehen wurden. Auch ist denkbar, daß ganze Baugruppen (Kessel, Winden, Fundamente, Räder) von Sublieferanten bezogen und dann montiert und in Betrieb genommen wurden.

Aber - das bleiben Spekulationen, da nicht mehr Belastbares in Erfahrung zu bringen war. Nach div. Umfirmierungen erlosch Appleby kurz vor dem ersten Weltkrieg.

Der dampfbetriebene Lagerhaus-Kran findet sich mit seinen Komponenten in besagtem Katalog. Maschine und Winde (siehe Fig. 107) werden als Einheit in fünf Varianten angeboten. Kleinste Hubkraft wurde mit 10 cwt (etwa 1/2 t), größte mit 40 cwt (2 t) angegeben. Für jede Variante wurden Zylinderdurchmesser und Hub gelistet sowie Gewicht und Volumen. Vor allem aber wurde der Preis genannt.

In einem verbindenden Text wurde darauf hingewiesen, daß man die Kolbenstange von der Kurbelwelle abkoppeln könne, um die Winde dann mit Muskelkraft zu betreiben. Bis zu 1 t Last wurde die Winde mit einer Übersetzung, darüberhinaus mit zwei Übersetzungen geliefert (die beiden sind übrigens nicht gekoppelt, Fehlbedienung war also möglich). Es wurde eine um den Fußpunkt oszillierende Einzylinder-Maschine benutzt. Damit war die Winde nicht selbstanlaufend, allerdings wies Appleby darauf hin, daß durch ein Gegengewicht im Schwungrad die Totpunktlagen vermieden würden - wenn die Maschine aber doch unter Last im Totpunkt zum Stillstand gekommen sein sollte, könne man ja immer die Drehrichtung umkehren.

Im Modell klappt das natürlich nicht, aber da ist es auch viel einfacher, das Schwungrad zu drehen - auch unter Last.

Für eine um den Fußpunkt oszillierende Modellmaschine mit Muschelschieber und Umsteuerung fand ich keinerlei Vorlage, also hieß es selber konstruieren. Mit Hinblick auf die notwendigen Verschraubungen und Dichtflächen ergab sich eine Maschine etwa im Maßstab 1:10. Dies führte dann dazu, daß das “Drumherum” erstaunlich groß wurde. Aber ich wollte die Winde an ihrem Einsatzort zeigen, also der Etage eines Lagerhauses. Der Kranausleger (siehe Fig. 133, auch er wurde in mehreren Varianten im Katalog angeboten) gestattet es, eine Last vom Boden zu heben bzw. abzusenken.

In meinem YouTube-Kanal gibt es ein Video des Modells.

Stand 27.04.2012